Durchgezockt: Belief & Betrayal

Entwickler: Artematica | Publisher: Anaconda Games

Story:
Sein aktueller Job sollte den Journalisten Jonathan Danter eigentlich in das sonnige Miami führen, der Scotland Yard hat allerdings etwas dagegen und entführt ihn nach London. Wenn überhaupt, möchte man dort ganz bestimmt nicht im November Urlaub machen. Die Beamten haben aber auch etwas ganz anderes mit Jonathan vor, wollen sie doch seine Unterstützung bei der Aufklärung des Mordes an seinem Onkel. Das kommt für Jonathan insofern unerwartet, als dass er seinen Onkel schon seit Jahren für tot hielt. Begründet liegt diese wahrlich doch merkwürdige Tatsache darin, dass Frank, so der Name des Onkels, Mitglied beim streng geheimen Geheimdienst des Vatikans ist. Bald kommt es zu weiteren Morden und Jonathan stößt auf ein jahrhundertealtes Geheimnis der katholischen Kirche. Da Vinci Code, ick hör dir trapsen...

Was war gut?
Adventures haben immer noch einen besonderen Platz in meinem Habe-eigentlich-keine-Zeit-und-zocke-trotzdem-noch-Spielerherzen. Schließlich hat alles damals für mich mit Monkey Island angefangen (Guybrush, wir vermissen dich!).
Aber selbst wenn man diesen Bonus beiseite nimmt, macht "Belief & Betrayal" vieles richtig. Die Geschichte zieht einen mit dem sympathischen Hauptcharakter trotz der deutlichen Dan Brown-Anleihen sofort ins Spiel. Großen Anteil daran haben auch die professionellen Sprecher und die schön gestalteten Schauplätze.

Auch im Spieldesign gibt es ein paar schöne Dinge: Jonathan bleibt nicht die einzige Spielfigur, später kommen noch zwei weitere dazu, die man teilweise sogar gleichzeitig an verschiedenen Orten spielen kann. Sogar freies Wechseln ist möglich und ab und an ist auch die Kommunikation miteinander per Handy nötig. Das ändert zwar nicht wirklich etwas am Spielablauf, hat aber Charme, genauso wie das "Gedanken-Inventar", das es parallel zum normalen "Gegenstands-Inventar" gibt. Dort werden alle Gedanken abgelegt, die für die Lösung der Rätsel wichtig sein können und werden auch später wirklich "benutzt". Die Rätsel an sich bleiben immer schön nachvollziehbar.

Was war schlecht?
Fordernd ist das Spiel allerdings nie wirklich, man marschiert mehr so durch. Was fehlt sind wirkliche Kopfnüsse, die Rätsel werden gegen Ende hin sogar eher leichter! Dadurch fehlt dann auch die Befriedigung, dass Spiel "besiegt" zu haben. Apropos Ende: Frechheit! Wieder einmal schaffen es die letzten 60 Sekunden die gesamte Geschichte zu ruinieren. Bis dahin haben wir einen netten Thriller, aber natürlich muss Jesus noch seinen großen Auftritt bekommen. Attention whore!

Um noch einige technische Mängel zu nennen: Auf meinem Laptop gibtes unzählige Grafikfehler, die Musik stockt oft und die Charaktere agieren durch ihre Animationen noch steifer als Dolph Lundgren. Zudem sind einige Nebenrollen etwas grenzwertig besetzt, junge Männer, die alte Stimmen nachahmen, sind immer etwas unglaubwürdig. Und auch die Stimme Jesu... (Attention whore!)

Die Rätsel waren zwar immer nachvollziehbar, aber manchmal schlecht designt. Z.B. funktioniert die Kombination Schnur + Angelhaken nur in eine Richtung. Unlogisch! Sehr nervig: Der Standardsatz "Das geht nicht" ist der einzige, der nicht weggeklickt werden kann. Wenigstens spricht dort nicht die Stimme Jesu (Attention whore!).

Ergo?
Nettes Adventure mit offensichtlichen Mängeln, für Fans des Genres mit zuviel Zeit aber empfehlenswert.

"Belief & Betrayal" sowie sämtliche damit verbundenen Namen, Charaktere, Bilder, Logos, etc. stehen unter dem Copyright von dtp entertainment.

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Als Digital Native (will sagen: hat seit frühester Kindheit tagtäglich mit Medien zu tun) bewegt sich der Tsuji heutzutage in dem Spannungsfeld aus Anspruch und akuter Verdummungsgefahr. Hier tut er seiner Meinung, über die neuesten Entwicklungen in den Leitmedien kund und versucht schrottig von töfte zu trennen.
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