Hingesehen: Avatar

USA 2009 | Regie: James Cameron | Darsteller: Sam Worthington als Jake Sully, Zoe Saldana als Neytiri Dis'kahan Mo'at'itey (wtf?), Sigourney Weaver als Dr. Grace Augustine, Stephen Lang als Col. Miles Quaritch, Michelle Rodriguez als Trudy Chacon


So, den Einspielergebnissen zufolge hat ja mittlerweile jeder Mensch auf dieser Welt "Avatar" gesehen, der Streifen überholt ja wahrscheinlich demnächst "Titanic" als erfolgreichsten Film aller Zeiten. Mensch, James Cameron kann sich langsam wirklich auf die Schulter klopfen. Wobei, etwas kann man dieses sensationelle Ergebnis relativieren, es ist nämlich ganz klar, wie diese Rekordzahlen zustande kommen: Ich habe im Kino verschissene 12 Euro bezahlt! 12 Euro! Wenigstens war das Kino so nett, dass mir erst beim Bezahlen gesagt wurde, dass eine 2-Euro-3D-Pauschale fällig sei, so blieb mir ein Schock im Vorfeld erspart. Danke UFA dafür...

Kommen wir zum Film, ich reiße kurz die Story an: Ein verkrüppelter Space Marine (Sam Worthington) (Gründe hierfür werden in ein, zwei Sätzen Exposition im sechsten Gang abgefrühstückt) reist auf den Planeten Pandora. Dort sollte sein Zwillingsbruder, Wissenschaftler, einen Avatar - Titel erklärt - steuern, eine künstliche Kopie der hiesigen primitiven Einwohner Na'Vi, in die Menschen durch die Wunder der Technologie ihren Geist transferieren können. Bloß ist der Zwillingsbruder halt tot (Gründe hierfür werden in ein, zwei Sätzen Exposition im sechsten Gang abgefrühstückt). Deswegen ist also Space Marine hier, er hat halt die gleiche DNA, da funktioniert das offensichtlich. Er soll dabei helfen, die Na'Vi davon zu überzeugen aus ihren Stammesgebieten zu verduften, damit man total wichtige Ressourcen dort abbauen kann (Gründe hierfür... ach ihr wisst, was ich meine). Ihm stehen zwei Alternativen zur Erfüllung dieser Aufgabe zur Wahl:

a) Wissenschaftlerin (Sigourny Weaver) würde sich gerne super mit den Na'Vi verstehen, nen Tee süppeln und einfach über die Probleme sprechen. Der Rest wird sich schon ergeben.

b) Narben-Ede, Chef der Marines, (Stephen Lang) würde gerne seine neuen Wummen ausprobieren

Rollstuhl-Marine tendiert zunächst zu Option b), aus alter Verbundenheit zur Truppe. War anscheinend ganz schön klasse, obwohl er seine Beine verloren hat.

Es geht los zum ersten Einsatz. Kollege Rolli findet seine neuen Beine ziemlich cool und kommt nach kurzer Zeit auch ziemlich gut damit zurecht. Um einmal kurz das Aussehen der Na'Vi zu beschreiben: Groß, blau, geile Figur und Katzengesichter. Da werden Fetischträume wahr... Obwohl der Traum in blau etwas durch die Khaki-Hosen in Aliengrößen getrübt wird. Warum man eigentlich in Kunstkörpern solche Scheu hat, dass man sich auch noch extra Menschenklamotten umnähen lässt... Anyway: Eklige Monster greifen an, Rolli wird vom Rest getrennt, hübsche Na'Vi (Zoe Saldana) - hat btw magische Haare, eine Strähne legt sich immer vor ihre blauen Aliennippel - rettet ihn. Erst hält Nippelhaar unseren Rolli für einen ziemlichen Trottel - seine berechtigte Erleichterung, dass seinen Angreifern der Gar ausgemacht wurde, hält sie für einen mittelschweren Affront - zum Glück scheinen wenigstens die lokalen Pusteblumen ihn zu mögen und bestäuben ihn mit leuchtenden Samen... Hab ich mir nicht ausgedacht, kommt genauso im Film vor. Grund genug unseren tapferen Marine mit ins Lager zu nehmen.

Rolli macht dann die übliche Heldenentwicklung durch: Vom hauptamtlichen Fettnäpfchentreter zum beliebtesten Stammesmitglied. Dabei lernt er viele interessante Dinge über die Na'Vi: Sie stehen ziemlich auf wenig Klamotten und New-Age-Gesänge. In den Haaren sämtlicher Wesen auf Pandora befinden sich USB-Stecker, mit denen sie Verbindungen eingehen könnten. Praktisch um die diverse Fauna zur Kooperation zu bewegen. Rolli verliebt sich natürlich auch noch in seine neue Freundin, was ihn nicht davon abhält weiter fleißig Bericht an Narben-Ede abzugeben. Der kann aufgrund dieser Informationen einen ausgefeilten Plan entwickeln: Hinfliegen und alles kaputt schießen, hätte er sonst bestimmt nicht geschafft.

Rolli bekommt natürlich im letzten Moment Gewissensbisse, kann die Katastrophe aber nicht verhindern: Der Na'Vi-Stamm wird aus seinem Gebiet vertrieben. Jetzt sind natürlich alle gegen ihn. Die Marines, weil er in einem Abwehrversuch eine ihrer Kameras zerstörte, die Na'Vi, weil er sie schlicht und einfach verarscht hat. Er wird von seinem Avatar-Körper getrennt, doch gelingt es ihm mit Hilfe seiner letzten Freunde doch noch zurück zum Körper und damit zu seinen Na'Vi-Homies zu kommen. Dort muss natürlich erst einmal etwas Eigen-PR gestartet werden, Rolli schafft den Publicity-Stunt aber indem er einen legendären Vogel findet und zähmt. So ist es natürlich kein Problem Braveheart zu spielen, die Völker Pandoras zu einen und den bösen Menschen in den Arsch zu treten, nicht ganz ohne Hilfe von Mutter Natur, die sämtliche Fauna zusätzlich mobilisiert (natürlich erst nachdem schon viele hundert Na'Vi dran glauben mussten, auch die Natur hat einen Sinn für Dramatik). Dies geschieht in einer langen und mäßig spannenden Schlacht. Am Ende werden die bösen Menschen verbannt und alles ist gut. Natürlich nur, wenn die Menschen nicht schlau genug sind, mit noch größeren Kanonen zurückzukommen.

Das war also "Avatar", was soll ich jetzt noch dazu sagen? Pflichteil: Die Effekte waren gut, vor allem in Digital 3D ein echtes Erlebnis (wäre da nicht die effin' 3D-Pauschale gewesen). Die Verschmelzung von echten Schauspielern und Computeranimationen war noch nie so gut. Warum ich allerdings nicht in den Begeisterungsreigen vieler Bekannter von mir einstimmen kann? Es fehlt an vor allem einem: Seele. Die Story z.B. ist altbekannt: Mensch aus Zivilsation kommt zu vermeintlich "Primitiven", deren Way Of Life ist aber eigentlich viel besser als herzlose Zivilisation, also wird Zivilisation bekämpft. Haben "Der mit dem Wolf tanzt" oder "Last Samurai" schon durchgekaut. Die Botschaft ist gut gemeint (Natur = gut, Naturkaputtmachen = doof), aber eben mit dem Vorschlaghammer vorgetragen, es ist nie ganz klar ob James Cameron dieser Botschaft aus eigenem Interesse nachgeht oder weil sie sich so gut verkaufen lässt. Die Schauspieler an sich sind alle gut, Mitfühlen ist trotzdem nicht angesagt, weil einfach jede Wendung sich mit dem Wedeln eines kompletten Lattenzauns ankündigt. Mitreißen geht eben anders.

Typischer Fall von "style over substance", ohne zu hohe Ansprüche aber durchaus ansehbar.

Bild: (c) 20th Century Fox

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Als Digital Native (will sagen: hat seit frühester Kindheit tagtäglich mit Medien zu tun) bewegt sich der Tsuji heutzutage in dem Spannungsfeld aus Anspruch und akuter Verdummungsgefahr. Hier tut er seiner Meinung, über die neuesten Entwicklungen in den Leitmedien kund und versucht schrottig von töfte zu trennen.
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