Hingesehen: Das Internat - Emma bloggt

Wow, das ging in die Hose. ProSieben testet derzeit ja neue Formate auf dem 16-Uhr-Sendeplatz. Wenn man einen solchen Test aber schon nach zwei Ausgaben abbricht, dann müssen die Quoten nicht nur im Keller sein, nein, sie sind wohl auf Grundwasser gestoßen, so geschehen bei "Das Internat - Emma bloggt". Jetzt gibt es natürlich zwei Möglichkeiten:

1. Die Sendung ist unglaublich scheiße.

2. Die Sendung ist total töfte, das Publikum ist nur einfach zu blöd.

Dreimal dürft ihr raten, was der Fall war...

Falls ihr nicht darauf kommt, hier nun einige klärende Worte. Die Handlung: Emma ist neu an einem Internat. Um weiterhin mit ihren (wahrscheinlich imaginären) Freunden aus der Heimat in Kontakt zu bleiben, beschließt sie einen Videoblog einzurichten und ihr neues Leben per Handkamera zu dokumentieren - also jedem auf den Sack zu gehen, indem sie auf alles und jeden die Linse richtet. À la Cloverfield oder Blair Witch Project sieht der Zuschauer also alles aus Emmas wackliger Perspektive, wobei sich die Sendung oft selbst untreu wird und auch mal nen externen Blick zulässt, wahrscheinlich, damit die Hauptdarstellerin auch mal im Bild ist.

Yup, Darstellerin, das ganze ist natürlich gestellt. Bei "Emma bloggt" handelt es sich um eine dieser gefaketen Dokusoaps, die aber irgendwie den Anspruch haben "authentisch" zu sein. "Authenzität" wird hier allerdings gleichgesetzt mit "niedrigem Produktionsbudget". Manch einer erinnert sich vielleicht noch an "Abschlussklasse", so in etwa darf man sich auch "Emma" vorstellen - wer sich nicht erinnert: Glück gehabt! Wobei, man muss "Abschlussklasse" fast in Schutz nehmen, denn Emma ist noch viel schlechter. Wirklich.

Die Schauspieler, sorry, die "Schauspieler" acten noch hölzerner als ein mittelgroßer Nadelwald. Offensichtlich wurde nur eine grobe Handlung vorgeben und die Knallchargen durften improvisieren - also ich hoffe, dass es so ist. Solche Dialozeilen geben in etwa die Tiefe des Plots wieder:

"Der Daniel ist so geil! Daniel, der Name allein ist schon sowas von geil!"

Auch schön:

"Woah Leute, was fürn Mega-Einstieg. Aber wer denkt, dass des schon krass war, der hat sich geschnitten! Der Oberhammer kam gleich danach!".

Die "Drehbuchautoren" (ich glaube, dass auch hier Anführungszeichen wirklich gerechtfertigt) haben natürlich ein großes Problem: Das Leben von pubertierenden Schülern ist todeslangweilig. Deswegen wird reingepackt, was nur geht. Sogar dezente Sozialkritik wird geübt, yep, Fremdschämalarm. Da hängt einer ein Bettlaken an die Schulwand, auf der "Ihr werdet alle sterben" steht. Reaktion Polizei: "Alles nicht so wild."; Reaktion Schüler: "Boah, voll krass, ey!" Eine Schülerin ist in den Lehrer verknallt (der geile Daniel übrigens) und stellt deswegen (oh nein!) sexy Fotos von sich bei Lokalisten ein (Lokalisten gehört zur ProSieben AG, nur so nebenbei). Und im Endeffekt wollen eigentlich alle Schüler nur eines: Rammeln. Okay, dass ist wenigstens realistisch.

Der letzte Sargnagel der Serie: Protagonistin Emma nervt echt wie Sau! Mischt sich überall ein, verletzt durch das Filmen die Persönlichkeitsrechte von allen und überhaupt, woher hat sie eigentlich die Zeit, immer den ganzen Mist zu schneiden - vor allem da sie sich nach Eigenaussage nicht mit der ganzen Technik auskennt. Egal, ich fass es noch in einem Wort zusammen: BULLSHIT!

Bild: (c) ProSieben/Chris Hirschhaeuser

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Als Digital Native (will sagen: hat seit frühester Kindheit tagtäglich mit Medien zu tun) bewegt sich der Tsuji heutzutage in dem Spannungsfeld aus Anspruch und akuter Verdummungsgefahr. Hier tut er seiner Meinung, über die neuesten Entwicklungen in den Leitmedien kund und versucht schrottig von töfte zu trennen.
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