(Nicht)Hingesehen: Popstars 2009

Unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit (und Gott sei Dank auch mir) fand letzten Donnerstag das Finale der aktuellen Popstars-Staffel statt. Nachdem ProSieben sein eigenes Publikum verarscht hatte stand jetzt also auch auch ein Gewinnerpärchen fest. Aus purem Desinteresse habe ich mal nachrecherchiert. Ich muss in diesem Zuge zugeben (klingt und schreibt sich witzig), dass ich nicht gecheckt habe, dass es sich bei "Some & Any" nicht um die Namen der beiden Witzfiguren handelt. Die belaufen sich wohl auf Vanessa und Leo.

Ich lass das, was dabei herausgekommen ist, zunächst für sich selbst sprechen:



Wir bewegen uns also im Genre des Electro-Pop-Rock-Schlagers, eventuell könnte also ne höhere Chartposition drin sein (bezweifel ich zwar irgendwie, hab aber ehrlich gesagt auch seit Jahren keine Ahnung, was sich da abspielt). Rein musikalisch tut das natürlich keinem weh, der Gesang löst dann allerdings trotzdem leichte Schmerzen in den Ohren aus. Der Typ fällt weniger ins Gewicht, aber trotz allen High-Tech-Spielzeug lässt es sich nicht kaschieren, dass sie einfach nicht singen kann. Teilweise kommt dazu noch eine drollige englische Aussprache, bei der man sich fragt, ob sie eigentlich weiß was ihr Gesinge bedeutet (und wo wir gerade dabei sind, was ist denn der tiefere Sinn des Textes?). Eventuell liegt diese Unfähigkeit der gelungenen Intonation aber auch an den Schmerzen, die sie offensichtlich hat. Oder wie lässt sich das Gezucke im Clip sonst erklären?

Zugehört: Heavy Metal Mania (285-281)

285: Massacre - From Beyond

Das Bandlogo sieht aus wie der viertklassige Tag eines 12jährigen Möchtegern-Gangsters an einer S-Bahn-Tür. Auf dem Cover fliegen einige Dämonen, die wie verworfene Entwürfe für Star Trek-Aliens aussehen, aus einem schwarzen Loch heraus (logisch...). Im Inlay sieht man einige nackte Frauen und Säuglinge in einer Art Teufels-Anus sitzen. Es ist also schon vorm Einlegen klar: Diese CD MUSS rocken. Und wirklich, "From Beyond" stellt so etwas wie die Quintessenz des amerikanischen Death Metals dar. Heftiges Schlagzeug, zenterschwere Gitarren und variantenreiche Texte um den Untergang der Welt, dazu immer das nötige Iota an Melodie, um nicht zu purem stumpfen Gepolter zu werden. Heftig, aber gut.

284: Nuclear Assault - Game Over
Diese CD hat eigentlich alles, um absolut im Mittelmaß zu verschwinden. Weder sind die Instrumentalisten besonders gut, der Sänger hat sogar ein relativ hohes Auf-die-Eier-geh-Niveau (seine eigenen hat er anscheinend an der Studiopforte abgegeben), noch sind die Songs besonders ausgefeilt. Und doch, dieser Vertreter der amerikanischen Thrash-Szene (nicht TRASH zum letzten Mal!) der 80er rockt so ziemlich das Dach von der Hütte. Woran das liegt? Ein Wort: Attitüde. Das Album ist einfach das musikalische Äqvivalent einer hochgezogenen Rotzfahne, das Gesamtkonzept stimmt einfach. Hirn aus, Nackenmuskel an!

283: The Rolling Stones - Exile on Main St.
Meins waren die Stones ja nie wirklich (wie die Beatles übrigens auch), wahrscheinlich bin ich dafür auch einfach zu jung. The Who sagten mir trotzdem immer mehr zu, weil sie einfach ne Spur härter zu Werke gingen. Trotzdem, natürlich finde ich auch Songs wie "Jumping Jack Flash" oder "Satisfaction" ziemlich cool, weswegen ich mit offenen Ohren auf dieses Album zuging, auf dem sich bemerkenswerter Weise kein einziger mir vorher bekannter Titel findet. Und ja, irgendwie kann ich es schon verstehen, wenn man die Gruftis mag. Energetischer Rock trifft auf klimperndes Boogie-Woogie-Piano und die Background-Chöre haben sich oft gewaschen (Gospel ist immer töfte), coole Songs werden hier lässig aus der Hüfte geschossen. Zu meinen Favoriten werden Mick und Co. trotzdem nie gehören.

282: Running Wild - Death Or Glory
Außer Drachen und Titten gibt es wahrscheinlich nichts was mehr metal (man beachte in diesem Fall die Nutzung als Adjektiv) ist als Piraten. Nur aufs Rauben und Brandschatzen aus, Totenköpfe, Säbel, Holzbeine, yup, ziemlich hardcore also. Seltsam also. dass es nicht mehr Piratenbands gibt, mir fällt jetzt spontan auch nur Running Wild ein. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Hamburger (was sonst) Jungs um Rock'n'Rolf (kein Scherz) das Metier einfach schon so qualitativ hochwertig abgegrast haben, dass einfach keiner mehr nachkommen kann. Maidenartige Songstrukturen, superbe Instrumentalarbeit, schöne Mitsingsmelodien. Diese Shantys sind in der Tat ihre hart verdienten Dublonen wert.

281: Samael - Ceremony Of Opposites
Wer nach den jüngsten Ereignisse die Befürchtung hat, dass die Schweiz nur aus islamfeindlichen Leuten besteht, den kann ich beruhigen: Manche finden auch das Christentum doof. Namentlich die eidgenössischen Jungs von Samael, die vor allem in ihren früheren Werken wenig Gutes über Jesusverehrung zu sagen (respektive schreien) haben (das Cover des hier besprochenen Albums ist ein kleiner Indikator hierfür). Die Geschwindigkeit der Songs bewegt sich zwar eher im vierten Gang, doch tut das der brutalen Wirkung der Songs keinerlei Abbruch. Allein das Eröffnungsdoppel "Black Trip" und "Celebration Of The Fourth" macht keine Gefangenen. "Mask Of The Red Death" groovt ob des Midtempos sogar richtig. Von der Religionsverachtung kann man halten was man will, die Musik rockt jedenfalls.

Bonusvideo:

Hingesehen: We are family

Liebe Bürgerliche Mitte, liebes ProSieben,


zur Zeit habe ich etwas mehr Freizeit als früher bzw. kann mir meine Arbeitszeit etwas "freier" legen. Daher komme ich dann auch in den "Luxus" am frühen Nachmittag mal die Glotze einzuschalten. Und oh Junge, was ist da eigentlich los? Skrupellose Fernsehmacher zerren entweder unglaublich aufmerksamkeitsgeile oder einfach nur dumme Menschen vor die Kamera und lassen ihre disfunktionale Familie vor der Nation zum Affen machen.

Fassen wir (ich versuche es) kurz mal zusammen, welch Spektakel sich vor meinen entzündeten Augen abspielte: Eine Mutter (Sabine) und ihre Tochter (Vanessa), Marke Rubensfrauen, haben im Urlaub zwei ägyptische Loverboys kennengelernt, in die sie sich offensichtlich unglaublich verliebt haben. Und wie das nun mal so ist mit einheimischen Männern in Urlaubsorten, die sich mit deutlich älteren oder jüngeren ausländischen Frauen einlassen, die beiden Typen meinen das natürlich total ernst... NICHT! Da sich diese Tatsache offensichtlich nicht bis zu den beiden Wuchtbrummen herumgesprochen hat, wollen sie alles in Deutschland stehen und liegen lassen (im Falle der Mutter schließt dies auch einen Ehemann ein!) um nach Ägypten auszuwandern.

Hier wäre spätenstens der Punkt gekommen, wo ich an der Stelle des Filmteams folgendes gemacht hätte: Die Mädels geschnappt und links wie rechts eine gebatscht. Und das nur um festzustellen, ob im Oberstübchen überhaupt noch jemand zuhause ist. Aber nein, die netten Menschen von ProSieben ermutigten offensichtlich die beiden Prinzessinnen und hielten munter die Linse drauf. Bitte Gott, falls es dich nun doch geben sollte, lass das alles komplett gestellt sein! Na ja, weiter im Text.

Eine Hauptprotagonistin habe ich bis jetzt noch nicht erwähnt. Jenny, die "Vernünftigte", so scheint es im ersten Moment jedenfalls. Denn Jenny ist total genervt von den Plänen der Nächstverwandten, tröstet sich mit ihrem Freund. In jenen ist sie übrigens bis über alle Ohren verliebt ("große Liebe des Lebens, blablabla"), sind sie doch auch schon drei Wochen zusammen. Diese unbeschreibliche Romanze hat jedoch zunächst ein jehes Ende, als der Typ sich erdreistet in aller Öffentlichkeit einer anderen Frau auf den Arsch zu gucken. NEIN! SKANDAL! WIEKANNERNURDIESESCHAUVINISTISCHESARSCHLOCH! Das Adjektiv "vernünftig" lässt sich also auch nicht in jeder Hinsicht auf Jenny anwenden, in der Realität des Lebens ist sie wohl noch nicht angekommen. Immerhin checkt sie die Verarsche mit den Ägyptern, rettet sie aber auch nicht davor, mit in den Urlaub gezerrt zu werden.

Folgendes Highlight: Treudoofer Ehemann bringt seine Familie zum Flughafen und bekommt dann den Dampfhammer in die Fresse: "Ich habe jemanden in Ägypten kennengelernt." UND DIE KAMERA HÄLT DRAUF! Ach du scheiße, wie assi ist das denn?! Erst dachte ich daran mir mit einem schweren Gegenstand ins Gesicht zu schlagen, habe mich allerdings dazu entschieden, die Kraft dahingehend zu investieren, einem der Protagonisten eine zu schmieren, sollte ich ihnen doch einmal begegnen.

In Ägypten angekommen werden die Strandboys dann überrascht (war bestimmt nicht einfach mit den Kameras im Raum) und das unappettliche Reigen geht in die nächste Runde. Zum Glück hatte ich schon gegessen, als Vanessa und ihr Macker anfingen zu knutschen (Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber meiner Meinung nach befindet sich beim Küssen die Zunge entweder im einen oder anderen Mund, aber nicht zum Großteil AUSSEN!). Und dann die unfassbare Wendung: Die Boys haben erst einmal keinen Bock mehr auf ihre Tussis und schmeißen sie aus ihrem Laden. Welchen Grund das nur haben könnte?

Um's kurz zu machen: Der Typ von der Mutter verarscht sie natürlich, will nur ihre Kohle haben. Die Vanessa beschließt trotzdem ihren Macker zu fragen, ob sie nicht vielleicht heiraten könnten. Töfte Sache, kennen sich ja schon vier Wochen... Die "vernünftige" Jenny hat nichts besseres zu tun, als ihr bei der Auswahl der Ringe zu helfen. Natürlich sagt der Gute dann aber *trommelwirbel* "nein". Wer hätte es gedacht...?

Also Bürgerliche Mitte, was ich dir sagen möchte: Hört auf diese unglaubliche, jenseitsmäßige Scheiße zu gucken und hört vor allem auf bei diesem Mist mitzumachen! Liebes ProSieben, du bist menschlich echt ganz unten. Würden bei dir nicht Simpsons und Stromberg kommen, ich wüsste gar nicht, warum ich dich einschalten sollte.

Freundlich grüßt euch,
der Tsuji

Als Digital Native (will sagen: hat seit frühester Kindheit tagtäglich mit Medien zu tun) bewegt sich der Tsuji heutzutage in dem Spannungsfeld aus Anspruch und akuter Verdummungsgefahr. Hier tut er seiner Meinung, über die neuesten Entwicklungen in den Leitmedien kund und versucht schrottig von töfte zu trennen.
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