Zugehört: Heavy Metal Mania (290-286)

290: Hanoi Rocks - Back To Mystery City

Nein, bitte beim Anblick dieses Albums nicht die aufregen. Wir haben es hier nicht mit noch einer halbschwulen Glam Metal-Band aus den 80ern zu tun, sondern mit DER halbschwulen Glam Metal-Band aus den 80ern. Hanoi Rocks waren die Wegbereiter, ohne die Mötley Crüe, Poison und Guns N' Roses nie möglich gewesen. Mit seiner Handposition möchte der Herr in der hellen Jacke bestimmt nur eins ausdrücken: "Unsere Musik hat Eier!". Auf lässigste Weise wird hier mit Granaten wie "Mental Beat" und "Until I Get You" Punk, Blues und klassischer Rock'n'Roll miteinander verbunden. Und wenn ich es mir genau ansehe, Mike Monroe sollte bei Bill von Tokio Hotel dringend Alimente für seinen Look verlangen!

289: Emperor - In The Nightside Eclipse
Gut, Dimmu Borgir konnte ich neulich etwas abgewinnen, offensichtlich bin ich wohl beim Black Metal echt eine Mainstream-Whore. Denn was jetzt das Tolle an dieser Scheibe ist, erschließt sich mir wirklich nicht. Das Gekreische ist diesmal wirklich nervig, so als ob sich Gollum einen runterholt. Die Songs sind wirr und wirken irgendwie ermüdend auf mich. Ich will ständig weiterskippen und es fällt mir schwer, die CD nicht einfach unter der Kategorie "Krach" abzuspeichern.

288: Naglfar - Vittra
Der Band- und Albumname sagen eigentlich alles. wir befinden uns immer noch in den Gefilden des Schwarzbleches. Auch hier wird in einer Geschrien was das Zeug hält (ich vermute mal auf Englisch, lässt sich aber nicht genau sagen) und mit Verve auf die Instrumente eingeschlagen. Und doch, irgendetwas scheint anders: Gefällig wippt mein Kopf mit, mein hochempfindliches Hörgerät vernimmt gar manche Melodei. Da sind Könner am Werk, denen auch eine vernünftige Komposition wichtig ist. Die vielen eingestreuten leisen Passagen geben den Songs sogar einen gewissen progressiven Touch. Okay Black Metal, du hast doch noch eine Chance bei mir bekommen.

287: Loudness - Disillusion
Lock'n'Loll! Für alle die denken, dass Japans Musikszene nur aus eierlosen J-Rock-Bands besteht, kann ich nur wärmstens empfehlen, ein Ohr für Loudness zu riskieren. Die Gruppe entstand in der Hochzeit des britischen Heavy Metals, Heroen wie Judas Priest oder Iron Maiden haben also einen deutlichen Eindruck hinterlassen. Und das bedeutet ja bei weitem nichts Schlechtes. Sänger Minoru Niihara qualizifizert sich mit seinem Vibrato als Sushi-Version von Bruce Dickinson und Gitarrenheld Akira Takasaki kann es alleine mit den Gitarrenduos der Tommys locker aufnehmen. Die Songs auf dem Band-Highlight "Disillusion" sind eigentlich allesamt Knaller, welche jeden Musikfan in der Schnittmenge zwischen Rock und Metal überzeugen dürften.

286: Girlschool - Hit And Run
Heute ist es ja durchaus nicht mehr ungewöhnlich, dass Frauen mit Gitarren abrocken (oder zumindest so tun), in den Achtzigern war das freilich noch etwas anders. Besonders Heavy Metal war eine ziemliche Männerdomäne. Damit die pickligen langhaarigen Bombenleger aber auch was zum Träumen hatten, gab es Bands wie Girlschool, die den Beweis anstellten, dass enge Lederhosen doch eher was für Görls als Boys sind. Als Beschreibung der Mucke reichen eigentlich die drei Worte "Motörhead mit Busen" (passenderweise absolviert Lemmy auch einen Gastauftritt), will sagen schnelle, dreckige Songs, mit einer fast punkigen Attitüde. Ganz süß...

Bonusvideo:


Hingesehen: Hornbach Werbung

Auch ich gehöre ja zu diesen Menschen, die über mangelnde Kreativität in der Werbebranche klagen. Rockstars und Werbeagenturen scheinen allerdings etwas gemeinsam zu haben: Sie verwechseln Kreativität mit massivem Drogenkonsum!

Oder wie sonst, lässt sich diese Werbung erklären?



Wahrscheinlich ist diese Werbung auch total geil und mir erschließt sich nur der tiefere Sinn nicht. Jaja, is schon klar. Man deutet an, was man mit dem Zeug im Baumarkt alles machen kann. Dadurch soll diese unglaublich langweilige Handelskette interessanter gemacht werden. Aber brauch man dazu wirklich ne lispelnde Stimme und nackte alte Männer? Ich sag: Nö!

Ich geh jetzt zum Obi, die machen wenigstens Roggeroll...

Hingesehen: Kiddy Contest

Apropos zu viel Zeit: Noch schlimmer, als am Samstagabend zu viel davon zu haben, ist dies am Sonntagnachmittag. Mein neuester Ratschlag: So zwischen 17 und 19 Uhr auf jeden Fall die Kiste auslassen. Sonst geht es euch so wie mir (bin gerade leicht verstört):


ProSieben: "The Legend Of The Seeker", anscheinend so ne Art "Xena" mit ein wenig mehr Budget, ohne diesen trashigen Charme. Unerträglicher Fantasy-Bullshit.

RTL: "Bauer sucht Frau", aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!

Vox: "Auto Mobil", solange ich nicht in Autos sitze sind sie laaaaaaaaaaaaangweilig...

Sat.1: "Die Wutprobe", Adam Sandler... muss nicht sein.

Das Erste: "Sportschau", Fußball fertig, wer interessiert sich schon für die anderen Sportarten?

Was soll ich sagen, ich begann auf andere Sender zu schalten. Lustigerweise ist bei uns Nick auf dem Senderplatz 1. Warum? Weil wir zu faul sind umzuprogrammieren. Egal. Nach einer äußerst bizarren Sitcom um einen Flaschengeist, öffneten sich die Tore zur Hölle, der "Kiddy Contest 2009" begann. Was das ist? Na ja, ne Castingshow eben. Der USP? Wie der Name schon sagt, die Kontestanten sind Kinder, es werden populäre aktuelle Songs mit neuen (kindgerechten) Texten, Vollplayback und einem grausigen Autotuning vorgetragen. Ach ja, eigentlich handelt es sich auch um eine österreichische Sendung, produziert vom ORF. Wie sowas dann bei Nick landet, ist mir schleierhaft, die letzten Jahre kam es aber wohl auf Super RTL.

Genug zum Konzept, warum habe ich jetzt zu Beginn geschrieben, ich sei leicht verstört? Ganz einfach, es gibt nichts gruseligeres als Kinder, die sich benehmen wie Erwachsene (siehe dieser Junge aus "Meine wundervollen Jahre" *schauder*). Wenn sie dann allerdings noch zu der Melodie von Lady GaGa (gerade Dauergast auf diesem Blog?) sich sexy ränkeln, muss ich doch beschämt den Blick abwenden. Vor allem während der Liebesballade zwischen Monrose-Mandy und einer gewissen Mira fühlte ich mich kurz dazu gedrängt, beim Jugendamt anzurufen.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass auch im Sachertortenland die Fernsehlandschaft nicht besser ist.

Hingesehen: Wetten dass ... ?

Samstagabend, irgendwann nach neun, man sitzt mit der/dem Liebsten auf der Couch, im Fernsehen wirklich nur Schrott. "Das Supertalent", *schauder*, irgendein amerikanischer Spielfilm *nichtschonwiederaufDVDehvielbesser*... Wo bleibt man also hängen? Rischdisch, im ZettDeEff beim guten alten Herrn Gottschalk. Jeder, auch ich, hatte natürlich die unglaubliche Innovation mitbekommen, dass in dieser Saison neben der Supernase auch noch Melonenauslage Michelle Hunziker als Moderatorin am Start sein würde. Zum Einschalten hat mich das bisher trotzdem nicht bewogen, offensichtlich also wirklich nichts Besseres zu tun gehabt dieses Wochenende...

Und was soll ich sagen, seit dem letzten Mal, dass ich eingeschaltet habe (gefühlte 5 Jahre her) hat sich wenig bis gar nichts getan, "Wetten dass ... ?" ist immernoch Unterhaltung der seichtesten Art, die niemanden weh tut. Gepflegte Langeweile stellte sich bei mir schon beim Blick auf die Gästeriege ein: unter anderem Sebastian Vettel (sprechende Sportler = öde), Harald Schmidt (hat seinen Zenit eindeutig überschritten) und Nazan Eckes (sieht zwar echt nett aus, versprüht aber den Charme eines abgebrochenen Tischbeins) trieben sich auf der Couch herum.

Später durften sich noch unser Hollywood-Amerikaistsotoll-Exportschlager Roland Emmerich und der bemitleidenswerte John Cusack (Welche Wette hat er verloren, die ihn dazu Zwang, im neuen Krawallstreifen "2012" mitzuspielen?) dazugesellen, woraufhin man wieder Zeuge des investigativen Fragenstils des Thomas Gottschalk werden durfte: "Nazan, möchtest du nicht auch einmal in einem Film mitspielen?". Ein kapitaler Adler wurde aber sicherlich mit der Einladung von Elisabeth von Thurn und Taxis (eine so coole Adelsfamilie, dass sie sogar ein eigenes Brettspiel hat) geschossen. Über ihre Botschaft möchte ich gar nicht diskutieren (katholische Kirche ist super, blablabla), aber ihre Art war einfach unerträglich. Wie hohl kann eigentlich jemand sein, dass neben ihm die (ebenfalls anwesende) Lady GaGa weise wirkt? Und was hat sie eigentlich geleistet, um eingeladen zu werden? Sie ist eine Blaublütige, die nur aufgrund ihrer Herkunft bei einer britischen Zeitung eingestellt worden ist und sich deshalb "Journalistin" schimpfen darf. Kürzlich hat sich auch ein Buch veröffentlicht, über ihren Glauben natürlich.

Das Niveau des Gesprächs lässt sich mit folgendem Zitat (im ungefähren Wortlaut) ganz gut zusammenfassen:

Thomas Gottschalk: "Nun ist es für eine reiche Adlige natürlich einfach, über Frömmigkeit zu sprechen, wenn man nie wirkliche Probleme hat. Bist du denn auch mal mit den schlimmen Dingen dieser Welt konfrontiert worden?"

Elisabeth von TnT: "Ja, schon. Seit einiger Zeit fahre ich einmal im Jahr mit einem Bus voller behinderter Kinder nach Lourdes. Das war schon so eine Art Wendepunkt in meinem Leben. Das ist schon krass, wenn man so etwas mitbekommt."

Autsch.

Witzig war auch das Gespräch mit Lady Gaga:

Lady GaGa: "My new album is influenced by gothic and industrial music."

Dolmetscherin: "Mein neues Album ist beeinflusst von gotischer und industrieller Musik."

Autsch.

So, habe ich irgendwas vergessen? Ach ja, Wetten gab es natürlich auch. Die waren sogar ganz nett, aber nahmen natürlich nur ca. 5 Prozent der Sendezeit an. Als da hatten wir: ein junger Mann erkennt junge Frauen an ihrem farbigen Arschabdruck (gegen Frauenhintern im Fernsehen sagt niemand etwas), eine lustige Chinesin (die sich brav beim kommunistischen chinesischen Staatsfernsehen bedankte, hm, steht im Rundfunkstaatsvertrag nicht irgendetwas davon, dass das ZDF die Demokratie unterstützen müsste?) trennte mit ihren Stäbchen Eier (Gottschalk-Brüller des Tages: "Das ist also ein Eipott.") und ein Baggerfahrer warf mit seinem Arbeitsgerät Basketbälle in den dazugehörigen Korb. Das war wirklich cool. Aber dauerte eben nur drei Minuten.

Ein Wort auch noch zum Hunziker und ihren Basketbällen: Frischen Wind konnte auch sie nicht in das angestaubte Konzept bringen. Sie soll zwar die Wetten moderieren, ist aber nicht viel mehr als dekorative Stichwortgeberin für Gottschalk. Außerdem hat sie eine nach wie vor ziemlich nervige Stimme.

Deswegen: "Wetten dass ... ?" bleibt weiterhin auf meiner Nur-im-Notfall-Einschalten-Liste.

Ist es fair eine Sendung zu kritisieren, wenn man nur die Hälfte gesehen hat? Sicherlich nicht. Bin ich fair? Nö.

Bild: (c) ZDF

Moralapostelei: Be A Terrorist - Die "Modern Warfare 2"-Kontroverse

Diese Woche ging ein Video mit original Gameplay des kommenden Actionkrachers um die Welt und erhitzte auch gleich überall die Gemüter. Was gab's zu sehen? Terroristen überfallen einen Flughafen und schießen dutzende Zivilisten über den Haufen. Problem: Der Spieler ist nicht in der Rolle des strahlenden amerikanischen Helden, der dem ganzen Radau ein Ende macht, sondern in der des bösen Buben. Um das klarzustellen: Man ist also in der klassischen Ego-Perspektive und richtet die Kalaschnikow auf Unschuldige. Der Albtraum eines jeden Jugendschützers (leider wurde das Video mittlerweile vom Publisher Activison aus dem Netz genommen, so dass ihr euch selber keinen Eindruck machen könnt).

Warum gibt es jetzt diese Szene? Das spielt steht für eine intensive Spielerfahrung, die eine Geschichte um Terroristenbekämpfung mit all ihren Höhen und Tiefen erzählen möchte. Einmal in die Rolle der Bösen zu schlüpfen ist dabei ein ziemlich effektiver Story Device. Man erfährt selbst, wie skrupellos diese handeln, natürlich wächst so der Drang sie zu stoppen. Diese Szene soll also schocken, das Spiel möchte also ganz klar die volle Bandbreite der Emotionen abdecken.

Auf mich persönlich wird die Chose wahrscheinlich so wirken, wie beispielsweise die TV-Serie "24". Ich will die Spannung erleben, bin aber wahrscheinlich auch nicht immer einverstanden mit dem Handeln meiner Protagonisten und noch viel weniger. Und obwohl ich selber der Handelnde bin, sind Spiele wie "Modern Warfare 2" für mich nicht viel mehr als ein bedingt interaktiver Film. An der Handlung an sich und moralischen Entscheidungen kann ich schließlich nichts ändern. Eventuell mag diese Szene also sogar erlebnisfördernd sein für mich.

Problem: Es gibt genügend Idioten, die Spiele nicht wegen der Erfahrungs insgesamt, einem Storyerlebnis oder sonstigem, sondern nur wegen dem reinen Abballern von Menschen spielen. Denen ist es wahrscheinlich auch schlichtweg egal, wer Ihnen vor die Flinte gerät. Solche einfachen Gemüter haben meiner Meinung nach nichts bei "Modern Warfare 2" zu suchen. Die Szene wird wohl überspringbar sein, aber keiner wird sich sagen "Mein Moralsystem nicht ausgeprägt genug, ich spiele das wohl lieber nicht."

Kann man anstatt des Kopierschutzes womöglich so etwas wie einen IQ-Schutz einrichten?

Als Digital Native (will sagen: hat seit frühester Kindheit tagtäglich mit Medien zu tun) bewegt sich der Tsuji heutzutage in dem Spannungsfeld aus Anspruch und akuter Verdummungsgefahr. Hier tut er seiner Meinung, über die neuesten Entwicklungen in den Leitmedien kund und versucht schrottig von töfte zu trennen.
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